Bürgermeisterkandidat
Frank Nerlich

Der Schulzendorfer-Online-Artikel vom 15.08.22

Im Gespräch: Frank Nerlich – “Ich lehne Machtspiele ab!”

 

Der Ausgang der Bürgermeister Wahl in Wildau am 28. August wird in der Region mit großer Aufmerksamkeit und Spannung verfolgt. Der Schulzendorfer wird über die Wahlschlacht berichten. Heute im Kandidaten Gespräch: Frank Nerlich.

Sie wollen Bürgermeister von Wildau werden. Warum sollen die Bewohner Sie wählen? Welche Erfahrungen in Politik und Verwaltung besitzen Sie?

Frank Nerlich: Ich engagiere mich seit der Geburt meiner drei Kinder als Vater von Drillingen für die Belange von Kindern und Eltern in Wildau. Über fünf Jahre war ich Kita-Ausschussvorsitzender in der Kita am Markt, zwei Jahre Gesamtelternsprecher an der Grundschule in Wildau. Im Ausschuss für Bildung und Soziales bin ich seit 2014 sachkundiger Einwohner, seit 2019 leite ich diesen als Vorsitzender. Unzählige Beschlussvorlagen, viele mit erfolgreichem Abschluss, beweisen, dass meine Fraktion die von den Bürgerinnen und Bürgern an uns herangetragenen Themen durch die SVV hindurch bis in die Verwaltung bringen konnten. Der Austausch mit den Fachamtsleiterinnen und -leitern ist ebenso Grundlage dafür. Dieses werde ich künftig weiterverfolgen.

In der letzten Zeit ermunterten mich immer wieder Bürgerinnen und Bürger auf Grund meines langjährigen Engagements in der Stadt als Bürgermeister zu kandidieren. Nach langer Überlegung und vielen Gesprächen mit Freunden sowie mit meiner gesamten Familie denke ich, dass es ein guter und folgerichtiger Schritt ist, für Wildau und seinen Einwohnerinnen und Einwohnern Gutes zu tun. Ich werde mich besten Gewissens den Herausforderungen stellen. Das wird sicher nicht einfach, aber machbar. Wenn die Wildauerinnen und Wildauer es wollen, werde ich gern ihr Bürgermeister sein und meine ganze Kraft dafür einsetzen.

Ist Bürgermeister sein nicht ein Albtraum?

Frank Nerlich: Es ist ein Traumjob. Ich verstehe mich als Netzwerker, der nach Lösungen sucht. Die Herausforderung liegt darin, zuzuhören und einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Foto: mwBild

Ihr beruflicher Werdegang reißt auf Ihrer Internetseite im Jahr 2009 ab. Welche Tätigkeiten haben Sie seitdem bis heute ausgeübt?

Frank Nerlich:  2009 war ich zuletzt Prokurist in der ALBA Group. Auf Grund der Finanzkrise zog sich das Unternehmen aus NRW zurück, in welchem ich über zwei Jahre eine Niederlassung aufgebaut hatte. Ich konnte meine Abfallmanagement-Kunden als Berater in anderen Unternehmen bis 2015 weiter bedienen. Nachdem 2010 unsere Kinder zur Welt kamen, orientierte ich mich wieder stärker auf unsere Region und vertrieb Unternehmenslösungen in der Sicherheits- und Reinigungsbranche. Seit 2020 bin ich Projektmanager für den Stadtbezirk Marzahn-Hellerdorf von Berlin für Gesundheits-, Bewegungs- und Präventionsprojekte.

Auf einer Wahlveranstaltung sagten Sie, dass das die Bebauung am Dahme Ufer für Sie kein „prioritäres Projekt“ sei. Warum nicht, schließlich hat sich in einer repräsentativen Umfrage eine Mehrheit in Wildau für die Bebauung entschieden?

Frank Nerlich: Die Bebauung des Dahme-Nordufers hat für mich nicht die erste Priorität. Aus meiner Sicht haben wir derzeit nachfolgende Fragen zu klären:

Um- und Ausbau der Schule.

Direktorin Susanne Blischke hatte im letzten Bildungs- und Sozialausschuss auf Platzprobleme und den ungeeigneten Essensraum verwiesen. Dieses Thema hat höchste Priorität. In diesem Zusammenhang sehe ich schon heute dringenden Bedarf für eine zweite Grundschule.

Energie und Wildorado.

Die Energiekosten werden sich mit heutigem Stand mindestens vervierfachen. Das bedeutet für alle harte Einschnitte. Das Wildorado hat im letzten Jahr ein Minus von 1,1 Millionen Euro eingefahren. Gedanken über eine interkommunale Betreibergesellschaft wurden laut. Das werde ich verfolgen, damit das Wildorado weiter bestehen bleiben kann. Auch der Einsatz von Photovoltaik und Fernwärme – siehe WGW – ist kurzfristig zu prüfen. Vorstand Carsten Kröning bietet eine Energiegenossenschaft an, ein innovativer Ansatz, wie ich finde.

Vision von Wildau.

Bevor wir weiter bauen, muss der Stadtentwicklungsplan fortgeführt werden. Wir können nicht immer dort bauen, wo gerade Platz frei ist. Das trifft auch für das Dahme-Nordufer zu. Es sind Alternativen zu prüfen: Bundesbehörden, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft sind in dem Prozess einzubeziehen, auch dort sind Geld und Ambitionen vorhanden. Schlussendlich müssen alle Alternativen von einem unabhängigen Büro geprüft werden. Die Lösung muss gut für Wildau und seine Einwohnenden sein. Der Zeitablauf wird mindestens mittelfristig sein.

Als Bürgermeister sind Sie Chef der Verwaltung. Sehen Sie im Rathaus Veränderungsbedarf und wenn ja, wo?

Frank Nerlich: Eine meiner ersten Amtshandlungen ist der Austausch mit den Fachämtern und seinen Mitarbeitenden. Aus den Hinweisen und Wünschen in den Abteilungen ergeben sich erste Anpassungen. Gleichwohl liegt mir die verbesserte Digitalisierung und Öffnung des Rathauses am Herzen. Der Internetauftritt muss modernisiert werden, Online-Übertragungen für alle Bürgerinnen und Bürger sollen ermöglicht werden, so, wie es bereits seit längerer Zeit in den Nachbargemeinden gehandhabt wird. Eine zeitnahe Information und Kommunikation ist der Dreh- und Angelpunkt für eine gut funktionierende, bürgernahe Verwaltung.

Wie wichtig ist Ihnen der Bürgerwille?

Frank Nerlich: Die Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung, der Bürgermeister und die Verwaltung sind den Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet. Die Verwaltung verstehe ich als Dienstleister im besten Sinne, die Volksvertretenden und der Bürgermeister sollen Umsetzer des Bürgerwillens sein. Insofern ist mir Bürgerwille sehr wichtig. Ich lehne Hinterzimmergespräche, parteipolitische Machtspiele grundsätzlich ab. Ich werde einen offenen Diskurs mit unterschiedlichen Meinungen und anschließendem Konsens im Sinne von „Gut für Wildau und seinen Bürgerinnen und Bürgern“ vertreten.

Sagen Sie den Wildauern, welche Themen Sie zur Chefsache machen werden?

Frank Nerlich: Schul- und Erweiterungsbau, Energieversorgung und Wildorado sowie die Städtebauliche Entwicklung von Wildau. Eine Herzensangelegenheit sind mir die Fuß- und Radwege in Wildau. Schulwegesicherung, vernünftige Verbindungen für Jung und Alt mit mehr sicheren Überwegen müssen zeitnah verbessert und geschaffen werden. Als Gründungsmitglied der Rad AG in Wildau durfte ich eine erste Prioritätenliste überfraktionell mit abstimmen. Ich werde mich dafür einsetzten, dass die ersten Maßnahmen im Haushalt 2023 berücksichtigt werden.

Das Image der städtische Wohnungsbaugesellschaft WiWO ist zerbeult. Beispielhaft dafür ist ihre Blockadehaltung bei der Wärmeversorgung in der Fichtestraße, die Pannen bei der Kita am Hasenwäldchen und zig andere. Mieter sind über viele Dinge sauer. Muss ein neuer Ruck durch das Unternehmen gehen?

Frank Nerlich: Wir müssen unsere guten Erfahrungen, unser Wissen und unsere finanziellen Möglichkeiten bündeln. Das wird in den nächsten Wochen und Monaten eine zwingende Notwendigkeit sein. Die WiWo als größtes kommunales Wohnungsunternehmen spielt dabei eine bedeutende Rolle. Ich halte es für wichtig, möglichst schnell ins Gespräch zu kommen, um die Themen zu klären und gemeinsam für Wildau Lösungen zu finden. Die Zusammenarbeit der Wohnungsunternehmen in Wildau wird eine „Chefsache“ werden.

Der Stadtrat ist gespalten. Wie wollen Sie Brücken über die Gräben bauen?

Frank Nerlich: In der Stadtverordnetenversammlung gibt unterschiedliche Ansichten und es gibt Mehrheitsfraktionen. Gleichwohl gab es in der Vergangenheit auch einstimmige Beschlüsse, oder Mehrheiten für Beschlussvorlagen, welche von uns kleineren Fraktionen vorgelegt wurden. Demzufolge müssen wir die Beschlussvorlagen – begründet auf Sachthemen – gut vorbereiten, so dass die Entscheidungen für die einzelnen Stadtverordneten möglichst einfach getroffen werden können. Oft hängt es an finanziellen oder technischen Aussagen, die im Vorfeld präziser vorbereitet werden müssen. Dafür werde ich mich einsetzen. „Kommune“ und „Kommunikation“ hängen stark voneinander ab. Wir müssen miteinander reden.